von Astrid Holle

„Wow, sieht super aus!“, mit diesem und ähnlichen Kommentaren verfolgten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begeistert die Verwandlung eines großen Aufenthaltsbereichs der HOLA. Jahrzehnte waren seit letzten Renovierungen vergangen – was den von täglich hunderten Holanerinnen und Holanern genutzten Bereich trostlos wirken ließ. Das große, Ende der 1960er Jahre entstandene Gebäude bedarf noch vieler Sanierungsschritte, die immer wieder die Planung und Umsetzung durch die Stadt Hanau erfordern.


Foto: „Qualitätskontrast“ (Part4) Mural an der Hohen Landesschule in Hanau im Rahmen des Projektes Vielfalt.

Da die Schule als Lern- und Lebensraum zu begreifen ist, liegt im Ganztagsangebot ein notwendiger Fokus auf den Aufenthaltsbereichen auch außerhalb der Klassenräume. Die Hohe Landesschule setzt diesen Gedanken schon seit Jahren auf dem weitläufigen Außengelände, dem Campus, praktisch um. Schülerinnen und Schüler werden an diesen Entwicklungen nach dem pädagogischen Konzept „Wir begleiten den individuellen Lernweg“ aktiv beteiligt.

Das im hinteren Gebäudeteil der HOLA entstandene Werk ist der vierte Teil des „Farbkreisprojekts“ Engin Dogans, das die Wirkung von Farbkombinationen auf das menschliche Gehirn thematisiert. Geometrische Formen wie der Kreis das Rechteck, rechte Winkeln und Linien binden dabei die Farbflächen.

Es geht in den Arbeiten von Dogan um einen Tanz zwischen Gleichgewicht, Geschwindigkeit, Druck und Viskosität – das ist die Basis der Linie an sich, die in den zwölf Monaten stets mit intensiven Farben hinterlegt wurde. Es sind die Kombination und die Anordnung der Farben, die unsere Emotionen als Menschen lenkbar machen und somit unsere Umwelt lebenswerter gestalten.

In der einjährigen Laufzeit des künstlerischen Projektes wurden vier Fassaden in Deutschland gestaltet.

Der Künstler Engin Dogan fasste seine Erfahrungen an der HOLA zusammen: “Das Kunstprojekt ‘Vielfalt’ an der Hohen Landesschule Hanau war für mich eine einzigartige Erfahrung. Ich arbeite schon seit sehr langer Zeit mit Jugendlichen zusammen, aber trotzdem muss ich sagen, dass dieses Projekt sich intensiv von allen anderen Kunstkursen und Workshops, die ich in der Vergangenheit gegeben habe, unterschieden hat. Der Grund dafür ist, dass die Jugendlichen unter meiner Leitung zu 100 % in den kreativen Prozess eingebunden waren und jeder Arbeitsschritt als Gruppe entschieden und umgesetzt wurde. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes die Pinsel aus der Hand gegeben und meine Arbeit wurde zu einer Gemeinschaftsarbeit.”

Nach langer Vorplanung und letztlich durch die Finanzierung durch den Förderverein der Hohen Landesschule möglich gemacht, begann am 23.2.23 die künstlerische Umgestaltung im hinteren Aufenthaltsbereich des Erdgeschosses als schulinternes Projekt.

Die Schülerin Ceres Lehman berichtete von ihren Erlebnissen an den Projekttagen: „Ich habe besonders die Teamarbeit genossen. Dadurch machte manchmal selbst das Säubern der Malutensilien Spaß.” Lachend fügt die Schülerin hinzu: “Vielleicht haben wir auch mal aus Versehen den Kunstraum überflutet. Durch das gemeinsame Besprechen, Malen und Mittagessen – Frau Holle kann super kochen – wurden wir ziemlich offen und keiner hatte Angst, Fragen zu stellen. Viele Schüler und Lehrer kommentierten beim Vorbeilaufen das Projekt und stellten uns auch Fragen dazu. Es war auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis. Das einzige Blöde: Den Unterricht nachholen zu müssen … “

Nach einer Woche intensiver Arbeit ist ein non-figuratives, an Farbharmonien orientiertes Motiv über mehrere Wände als Gesamtkunstwerk entstanden. Der Künstler Engin Dogan hat mit “Farbe für Vielfalt” gemeinsam mit neun Schülerinnen und Schülern aus dem Street-Art Kurs diesen Bereich an sechs Tagen neugestaltet.

“Dieses Kunstprojekt geht einen Schritt in Richtung Veränderung, Veränderung nach dem rassistischen Hanauer Anschlag. Seit dem 19.2.2020 erinnert die Hohe Landesschule im Rahmen eines Gedenktages, dem “Tag der Vielfalt”, an den Hanauer Anschlag. Die Hohe Landesschule setzt sich mit vielen Projekten, Workshops und künstlerischen Programmen, wie der Theaterinszenierung „A.N.D.E.R.S“ mit dem Thema Rassismus auseinander. Die künstlerische Auseinandersetzung kann uns alle an den Zusammenhalt, die Toleranz und die Verantwortung füreinander erinnern”, kommentierte Astrid Holle das einzigartige Kunstprojekt.

Astrid Holle, Studienrätin und Beauftragte für künstlerische Gestaltungsaufgaben an der Hohen Landesschule, leitete das Projekt „Platz für Vielfalt“ und freut sich nun über das gelungene Ergebnis und die positive, freundliche Atmosphäre, die so entstanden ist.


Fotos: Ausschnitte aus dem Mural in der HOLA

Bisherige Murals des Künstlers Engin Dogan im Rahmen des “Farbkreisprojekts”:

„C.M.Y.K. Qualitätskontrast” (Part 1) Mural in Flöhr das im Rahmen der ibug 22 umgesetzt wurde.

„Qualitätskontrast” (Part 2) Mural in Hanau wurde Dogan als erster von 3 Künstler in Deutschland mit einem Preis für herausragende Fassadenkunst ausgezeichnet.

„Qualitätskontrast” (Part 3) Mural am Aschaffenburger Künstlertreff.

„Qualitätskontrast“ (Part4) Mural an der Hohen Landesschule in Hanau im Rahmen des Projektes Vielfalt.