von Swantje Stein-Hellmann (Leiterin des Fachbereichs III) / Dr. Thomas Liesemann

Nur wer bereit ist, Fehler zu machen, entwickelt sich weiter. – Was daherkommt wie ein Freibrief für das mutwillige Produzieren von Irrtümern, erklärt vielmehr die Bedingung der Möglichkeit persönlichen Lernzuwachses und spürbarer Entwicklung des eigenen Verstehens.

Machten wir uns diese Einsicht konsequent zunutze, hätte das zur Folge, dass wir unseren Lernenden in der Schule immer wieder Gelegenheit gäben, ihren eigenen Forschergeist zu entwickeln. Sie würden dann kraft ihres eigenen Wahrnehmens und Verstehens erfahren können, was es heißt, ein Pionier des Wissenserwerbs zu sein.

Vielfach bewegen sich aber Schülerinnen und Schüler in gut abgesicherten und sorgsam vermessenen Terrains. Wir nennen dies freundlich „Lernkorridore“, Durchgänge, die der Bauherr wohlweislich zum Teil des Plans gemacht hat. Es ist den Lernenden aber durchaus bewusst, dass, was immer sie herausfinden, im Grunde eine Bestätigung dessen liefern kann, was die Lehrkraft ohnehin schon weiß. So kann es durchaus vorkommen, dass abweichende Lösungen zu Fehlern erklärt werden.

Lernen unter experimentellen Bedingungen – also Bedingungen, die tatsächliches Forschen herausfordern – sieht anders aus. Zum Beispiel so: Im Rahmen zweier Workshops haben Schülerinnen und Schüler der HOLA am (29.06.2023) Einblick in forschendes Arbeiten an der Technischen Hochschule Aschaffenburg gewinnen können. Neben dem Erlernen des Programmierens mit dem Mini-Computer Calliope haben sie sich damit auseinandergesetzt, wie man die Kraft unserer Sonne sinnvoll verwenden kann. Für die letztgenannte Aufgabe stand ihnen ein Baukasten mit unterschiedlichen Materialien zur Verfügung.

Die beiden Workshops mündeten schließlich in einen Wettbewerb, der darin bestand, einen Hindernisparcours zu durchlaufen, wobei ein von den Teilnehmenden selbst programmierter Bewegungssensor möglichst wenig Ausschläge aufweisen sollte. D.h. die Lernenden fertigten die Instrumente der Kontrolle selbst an, die ihnen in der Folge das Prüfen der Kriterien wissenschaftlich gültiger Aussagen erlauben sollten. Eine zweite Aufgabe, mit der sich die Teilnehmer konfrontiert sahen, bestand darin, aus den verschiedensten Materialien einen möglichst effektiven Solarkollektor zu erstellen.

Durch Aufgaben wie diese werden die Schülerinnen und Schüler in Prozesse wissenschaftlicher Erkenntnissuche eingeführt, ohne dass die Lehrkraft den Weg bereits im Vorhinein festgelegt hätte. Obendrein appelliert diese Art des forschenden Lernens an den Ehrgeiz aller Beteiligten, wie eine Schülerin zu verstehen gibt: „Der Wettbewerbs-charakter war total cool! Erst fühlten wir uns überfordert und waren frustriert, dass es keine Anleitung gab. Aber dann haben wir das im Team gemeistert. Tatsächlich merkt man, dass das Denken eigentlich durch genaue Anleitungen beschränkt wird.“

In der Ansicht von Frau Stein-Hellmann, Leiterin des Fachbereichs III der Schule, macht der Ausflug an die TH Aschaffenburg die Wichtigkeit des Experimentierens und Ausprobierens in den naturwissenschaftlichen Fächern deutlich. Dazu gehört auch, aus Fehlern zu lernen und dieses Lernen für weiteren Erkenntnisgewinn zu nutzen: „Es ist uns ein großes Anliegen, Schülerinnen und Schüler für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern. Deshalb machen wir diese Projekttage für alle zugänglich, um den Weg hierfür zu öffnen.”

Diese Einstellung zeigt sich an der Hohen Landesschule auch in dem Profilzweig Natur und Technik, welcher den Schülerinnen und Schülern bereits ab der Jahrgangsstufe 5 das Erforschen physikalischer, chemischer und biologischer Fragestellungen ermöglicht. Hier etabliert man seit diesem Schuljahr auch ein offenes Lern- und Raumkonzept, in welchem die Lerngruppen zwischen vier Räumen wählen und so über einen längeren Zeitraum eigenverantwortlich ein naturwissenschaftliches Thema in unterschiedlichen Konstellationen erarbeiten können. Die Räume unterbreiten Angebote zum Experimentieren, stillem einzelnen Arbeiten sowie kooperativem Miteinander. Verknüpft wird dies mit der Möglichkeit, sich in der Schulküche und dem HOLA-Campus mit den Themen Nachhaltigkeit und Bewegung auseinanderzusetzen.

Nach erfolgreicher Teilnahme an den zwei Workshops hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa zu stärken. Abgerundet wurde der Besuch auf dem Campus der TH mit einer Partie Beach Volleyball. – Auch das ist Teil des neuen Unterrichtens! Die Stimmung auf der Rückfahrt nach Hanau war dementsprechend ausgelassen.

Nicht vergessen möchten wir, uns bei der TH Aschaffenburg für diesen lehrreichen Tag herzlich zu bedanken. Wir freuen uns auf weitere spannende Projekttage.