Pressemitteilung

„Warum heißt unsere Sporthalle eigentlich August-Schärttner-Halle?“

HOLA-Schüler erforschen Revolution von 1848 in Hanau

Wenn sie nicht gerade als Impfzentrum genutzt wird, turnen die Schülerinnen und Schüler der Hohen Landesschule in der August-Schärttner-Halle – aber warum heißt die bekannte Mehrzweckhalle überhaupt so? Diese Frage stellten sich 21 Schülerinnen und Schüler der Hohen Landesschule im Geschichtsunterricht. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Julian Reibling entdeckten sie, dass der Namensgeber nicht nur 1837 die Turngemeinde Hanau mitgegründet hatte, sondern auch an der Revolution im Jahre 1848 beteiligt war. Letzteres verbindet ihn auch mit Bernhard Eberhard, August Rühl, Pedro Jung, Christian Lautenschläger und Karl Röttelberg. Nach ihnen wurden sogar Straßen im Zentrum der Stadt benannt, doch nur die wenigsten wissen heute noch warum.

Wie die Junghistorikerinnen und -historiker herausfanden, verfassten die Hanauer Bürger am 9. März 1848 eine Schrift an den Kurfürst Friedrich Wilhelm, in der sie politische Mitbestimmung und grundlegende Freiheitsrechte wie Presse-, Religions- und Versammlungsfreiheit forderten – das sogenannte „Hanauer Ultimatum“. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich intensiv mit der historischen Quelle und waren anschließend überzeugt, dass in der Öffentlichkeit viel deutlicher an diese Leistung erinnert werden sollte. Denn die „Volkskommissare“, wie die unterzeichnenden Bürger genannt wurden, hatten Erfolg: Wenn auch nur für kurze Zeit, fügte sich der Kurfürst in Kassel nach heftigem Widerstand doch liberalen Reformen und gestand den Hanauerinnen und Hanauern eine Reihe von Freiheiten zu.

Nach Recherchen in Quellen und Literatur aus dem Stadtarchiv erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler Erklärtafeln für die „Volkskommissare“, wie sie häufig an Straßenschildern zu finden sind. Mit Unterstützung der Schulleitung und ihres Geschichtslehrers wandte sich die 9A schließlich an das Rathaus und stellte ihre Idee vor. Dort traf das Projekt sofort auf große Zustimmung von Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, Stadtrat Thomas Morlock und Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, der die Jugendlichen auch inhaltlich beriet. Durch die freundliche Unterstützung der Stadt Hanau konnten die Legendenschilder der Schülerinnen und Schüler nun an sechs Straßen vom Bauhof der Stadt angebracht werden. Gerade heute sollen die neuen Schilder daran erinnern, dass Demokratie und Grundrechte keine Selbstverständlichkeit darstellen, sondern in der Vergangenheit von vielen Mutigen mühsam erkämpft werden mussten.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel und Stadtrat Thomas Morlock bedankten sich bei den Schülerinnen und Schülern sowie ihrem Geschichtslehrer für die historische Recherchearbeit bei einem Vorort-Termin. „Die Geschichte einer Stadt ist von großer Bedeutung. Nur wer sie kennt, kann wirklich tiefes Verständnis für seine Heimatstadt entwickeln“, so der Oberbürgermeister. „Wir hoffen, dass noch mehr jungen Menschen in Hanau Ihrem Vorbild folgen, und sich intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandersetzen!“  Durch die Legenden-Schilder, die ab sofort unter den sechs Schildern mit den Straßennamen zu lesen sind, können sich zukünftig alle Interessierten über die Namensgeber und ihre Verdienste informieren.