von Dr. André Griemert

Wer will im ewigen Leben schon täglich arbeiten? Das fragten sich bereits die alten Ägypter. Und wer es sich leisten konnte – allen voran die Pharaonen – sorgte vor: Damit im Jenseits das süße Leben und ewiges Nichtstun herrschen, nahmen die reichen Ägypter kleine Dienerfiguren – sogenannte Uscheptis – mit ins Grab, wenn möglich 365 Stück, für jeden Tag eine. Und diese kleinen Helfer übernahmen dann für den Verstorbenen die Arbeit. Nicht die schlechteste Lösung. Und damit es mit dem Essen und Trinken auch noch funktioniert, wurde nicht nur der Körper mumifiziert, sondern auch die einzelnen Organe wurden einbalsamiert und dann in verschlossenen Krügen – den Kanopen – gelagert.


Fotos: Im Rahmen des Geschichtsunterrichts besuchte die Klasse 6A zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Julia Larsen und ihrem Geschichtslehrer Dr. André Griemert am 12. Juli 2022 das Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim, um dort eine Führung in der Ausstellung zum antiken Ägypten zu erhalten. Dort lernten die Kinder eben auch die Uscheptis, die „Antworter“ kennen.

Die junge Studentin, die uns durch die Ausstellung führte, erzählte davon, dass Hieroglyphen eine Konsonantenschrift mit über 100 Buchstaben und Silben sei, die man mit viel Übung innerhalb eines Jahres lesen lernen könne. Vorlesen sei allerdings schwieriger, da die alten Ägypter keine Selbstlaute aufgeschrieben haben. Die Klasse erfuhr, dass Papyrus sehr teuer war und daher Scherben und Steine für Alltägliches wie Briefe und Rechnungen benutzt wurden. Die schwarze Schminke aus Ruß und Blei, die so typisch in altägyptischen Portraits hervortritt, habe vor Sonne und Bakterien geschützt. Getragen wurde sie sowohl von Frauen als auch von Männern.

Interessiert und auch ein wenig „gegruselt“ lauschten die HOLA-Schülerinnen und -Schüler, wie bei einer Mumifizierung die Organe durch einen kleinen, 10 cm langen Schlitz aus dem Körper geholt und das konservierte Herz als „Organ des Denkens“ wieder in die Mumie zurückgelegt worden sei. Schließlich glaubten die alten Ägypter, dass das Herz vor dem Eintritt in das Jenseits von der Göttin der Gerechtigkeit gegen die „Feder der Gerechtigkeit“ aufgewogen worden sei. Nur diejenigen, deren Herz leichter gewesen sei als diese symbolische Feder, seien als „gute Menschen“ im Jenseits zugelassen worden. Von allen anderen würde das Herz vom „Schakal“ gefressen. Für alle Fälle wurde allen Mumien ein „Survival Guide“-Buch für das Jenseits mitgegeben, um sich vor Dämonen und anderen Gefahren schützen zu können. Grabbeigaben wie mumifizierte Gazellen, Babykrokodile, Falken, Ibisse und Katzen waren ebenfalls üblich. „Koptisch“, die altägyptische Sprache, ist ausgestorben; aber die Christen in Ägypten heißen weiterhin „Kopten“. Die Hieroglyphe für „ANCH“ mit der ursprünglichen Bedeutung „Leben“, ist leicht verändert und mit neuer Bedeutung im Christenkreuz erhalten geblieben.

Darüber hinaus lernten die Kinder etwas über das Alltagsleben der Menschen im Alten Ägypten sowie über die Vielfalt in der altägyptischen Götterwelt. Die Schülerinnen und Schüler vertieften ihr bereits im Unterricht erworbenes Wissen über die Hieroglyphen und die Herstellung von Papyrus und erfuhren so einiges über die Entwicklung der ägyptischen Schrift und das Schreibwerkzeug im Alten Ägypten.

Am Ende konnten die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines Arbeitsbogens selbstständig das Museum erkunden, ihren Namen in der Hieroglyphen-Schrift schreiben und sich als waschechte Ägypter verkleiden.


Fotos: Leopold Thiel, Saam Shams und Jakob Kroeker haben viel Spaß als “alte Ägypter”.

Alle waren sich auf der Rückfahrt einig – die Ausstellung zum Alten Ägypten in den Reiss-Engelhorn-Museen ist eindeutig mehr als nur einen Besuch wert!

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