von Stefan Prochnow
Von der „feministischen Außenpolitik“ hört man seit einigen Monaten wenig. Während Wladimir Putin und Donald Trump Völker- und Menschenrechte egal zu sein scheinen, hat sich mit Annalena Baerbock eine Protagonistin der feministischen Außenpolitik auf einen überwiegend repräsentativen Job bei den Vereinten Nationen zurückgezogen.
Die Hohe Landesschule jedoch schickte erstmals ein rein weibliches Delegiertenteam zur Modell-UNO Wien, einer großen deutschsprachigen Simulation der „Vereinten Nationen“ mit über 250 Oberstufenschülern aus Österreich, Russland (Deutsche Schule Moskau), der Türkei und Deutschland. Vom 11. bis 13. Februar 2026 tagten die „Nachwuchs-Diplomaten“ im alt-ehrwürdigen Hauptgebäude der Universität am prächtigen „Ring“ und im Vienna International Center, einem der vier Hauptquartiere der Vereinten Nationen.

Foto: Alle HOLA-Delegierten vor dem Vienna International Center, dem UNO-Hauptsitz in Wien
Doch feministische Positionen konnten die HOLA-Delegierten nicht unbedingt verbreiten, denn sie mussten sich in ihrer Rolle als Delegierte ihres Landes an die Positionen der Regierung „ihres“ Landes halten. Leyla Gülbahce vertrat die Demokratische Republik Kongo, dessen aktuelle Regierung nicht für feministische Positionen bekannt ist. Etwas einfacher hatten es da Aliya Hoffmann (Spanien), Nejla Jukic (Luxemburg), Tuana Özbilge (Niederlande), Leyla Kocyigit (Australien), Jana Juvanovic (EU) und Lucie Kaufmann (Island). Island gilt als Vorreiter der Gleichberechtigung, hatte 1980 die weltweit erste demokratische gewählte Staatspräsidentin der Welt und heute sind fast 50 % aller Abgeordneten Frauen. Ruanda, bei der Modell-UNO Wien im Komitee 12 durch Holanerin Melisa Kocdemir vertreten, hat mit 60 % sogar eine noch höhere Frauenquote dank Verfassungsreformen nach 1994 und Interventionen des umstrittenen Präsidenten Kagame.

Foto: Nicht für Deutschland, sondern für Andorra, die Niederlande, die Demokratische Republik Kongo und Luxemburg bei der Modell-UNO Wien: Noura El Jazouli, Tuana Özbilge, Leyla Gülbahce und Nejla Jukic (von links nach rechts)

Foto: Tuana Özbilge vertrat die Niederlande im Komitee 9 (Verhinderung der Bürgerkriegsfinanzierung durch Blutdiamanten)
Doch was sagen die Holanerinnen über ihre Erfahrungen bei der Modell-UNO?
Aliya Jasmin Hoffmann (17) aus Hanau-Steinheim, Berufswunsch Psychologin, Leistungsvorkurse (LVKs) PoWi und Bio, war im Komitee 4 „Sezessionsbewegungen“ und sagt: „Mir hat es total viel gebracht. Ich werde mich nun mehr für die Politik interessieren, habe meine Kenntnisse und meinen Wortschatz erweitert. Eine Erfahrung fürs Leben, die ich gerne wiederholen möchte.“
Nejla Jukic (16) aus Hanau, LVKs Wirtschaftswissenschaften und Englisch, Berufswunsch Finanzwirtin: „Mir hat es geholfen, mein Selbstbewusstsein zu stärken, in der Öffentlichkeit meine Meinung zu vertreten – mein politisches Talent habe ich jetzt erst entdeckt.“
Leyla Aylin Gülsen (16) aus Hanau-Wolfgang, Berufswunsch Rechtsanwältin, Leistungsvorkurse Wirtschaftswissenschaften und Englisch, bei der Modell-UNO auch im Komitee 4 zu den Sezessionsbewegungen: „Ich bin durch die UNO-AG und die Modell-UNO diskussionsfähiger in politischen Themen geworden, viele Einblicke in aktuelle Themen der internationalen Politik gewonnen.“
Leyla Kocyigit (17) aus Hanau-Mittelbuchen, bei der Modell-UNO Wien „Australierin“ und im echten Leben Schülerin an der HOLA mit den Leistungsvorkursen PoWi und Englisch freute es, dass sie so viel über international bedeutsame Themen erfahren hat und das auch mal aus der Perspektive eines anderen Landes. „Diese Erfahrung wird für mich noch sehr viel bringen“, erwartet die sympathische Mittelbuchenerin.
Die Schülerinnen werden demnächst durch die 10. Klassen gehen, um Werbung für die UNO-AG zu machen, die auf die Teilnahme an einer MUN (Model United Nations)-Konferenz vorbereitet.
