von Stefan Prochnow
„Economy Class“ und „Business Class“ kennt man eher aus der Luftfahrtbranche und nicht aus der Schulwelt. „Doch auch an unserer Schule haben wir sie“, lacht Wirtschaftslehrer Stefan Prochnow von der Hohen Landesschule Hanau (HOLA). „Die Economy Class ist sozusagen unser Grundkurs Wirtschaftswissenschaften und der Leistungskurs wäre dann unsere Business Class“.
Tatsächlich bietet die HOLA als eine von wenigen allgemeinbildenden Gymnasien das Fach Wirtschaftswissenschaften an. Und der Wirtschafts-Leistungsvorkurs der Jahrgangsstufe 11 hat nun am Workshop „Economy Class“ zur finanziellen Allgemeinbildung von Dr. Barbara Arnold teilgenommen.

Foto: Dr. Barbara Arnold (stehend) gibt Tipps zur Budgetplanung in der ersten eigenen Wohnung.
Die 16 Schüler lernten dabei über Budgetplanung, Fixkosten und flexible Kosten, die Tücken von Handyverträgen und erhielten viele Spartipps für das Leben nach der Schule. Durch Preisvergleiche errechneten sie anhand realer Angebote, dass sie bei Handyverträgen in drei Jahren über 450 Euro sparen können – bei identischem Smartphone und Vertragsbedingungen.
Bei einer Blindverkostung „erschmeckten“ die Schüler kaum Unterschiede zwischen dem billigsten und dem teuersten Mineralwasser, und das bei einer Preisspanne von 19 bis 109 Cent pro Liter.
[hier bitte das Foto 2 einfügen]
Foto: Welches Wasser schmeckt am besten? Jedenfalls nicht immer das teuerste, stellten die Schüler im Workshop fest.
Dr. Barbara Arnold bietet erst seit wenigen Monaten ihre Workshops in Schulen an. Die studierte Grundschullehrerin und promovierte Linguistin sieht ihre Finanzbildungs-Workshops als „Herzensprojekt“. „Ein Freund meines Opas hat mir vorgelebt, dass Sparen Spaß macht“, sagt Arnold und fügt hinzu, dass „Spartipps finden“ für sie wie ein Hobby sei.
Unter den Schülern stieß das auf ein positives Echo. Schülerin Tuana Özbilge unterstreicht: „Ich fand es gut, dass wir einen Wochenmenüplan erstellen sollten und bin erstaunt, dass man bei guter Planung mit 30 Euro fürs Essen auskommen kann.“ Maximilian Maaßen ergänzt: „Wenn man darüber nachdenkt, merkt man erst, wie wenig man eigentlich für eine Woche braucht.“ Nicolas Arnold lobt, dass die Wasser-Blindverkostung ein Lernen mit allen Sinnen ermöglichte. Und Ole Blum gefiel, dass die Schüler auf ein selbstständiges Leben nach der Schule vorbereitet wurden.
Das sieht auch Lehrer Stefan Prochnow so: „Wir versuchen im Rahmen des Unterrichts und der beruflichen Orientierung immer auch Aspekte der finanziellen Allgemeinbildung zu berücksichtigen.“ So arbeite die HOLA als hessische Pilotschule im Wirtschaftsunterricht auch mit der neuen SEASN-App, die der Frankfurter Professor Andreas Hackethal von der Goethe-Universität mit Unterstützung des Kultusministeriums kürzlich lanciert hat. Die App ermöglicht eine realistische Budgetplanung bis hin zur Planung einer nachhaltigen Altersvorsorge.
