Fotos und Text von Emilia Schroeter und Clara Wollnik (Q2)

Clara und Emilia, Schülerinnen der Q2 der HOLA, nahmen über das Pfingstwochenende von Donnerstag bis Montag an der Model United Nations-Konferenz Baden-Württemberg (MUNBW) in Stuttgart teil. Dabei handelt es sich um eine Simulation echter UN-Verhandlungen, bei der politikinteressierte Jugendliche in verschiedenen Gremien die Rollen von Delegierten unterschiedlicher Länder übernehmen können. Besonders spannend sind die hitzigen Diskussionen und Debatten über aktuelle weltpolitische Themen. Der passende Dresscode auf dem diplomatischen Parkett sowie die Location im Tagungszentrum Hospitalhof in Stuttgart verliehen der Konferenz eine authentische Atmosphäre und helfen den Teilnehmenden dabei, sich vollständig mit ihrer Rolle als Delegierte oder Delegierter zu identifizieren.

Emilia übernahm die Rolle einer Richterin am Internationalen Gerichtshof. Als slowakischer Richter Tomka arbeitete sie gemeinsam mit 14 weiteren Richterinnen und Richtern drei Tage lang an einem Urteil im Fall „Ungarn gegen Rumänien“ unter dem Übereinkommen zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internationaler Seen.
Gegenstand des Falles war die Umweltkatastrophe im Januar 2000 in Baia Mare in Rumänien. Dort brach bei der Goldmine Aurul S.A. ein Damm, wodurch rund 100.000 Kubikmeter cyanid- und schwermetallhaltiges Wasser in grenzüberschreitende Flusssysteme gelangten und insbesondere in Ungarn schwere Umweltschäden verursachten.
Vor dem Internationalen Gerichtshof wurde verhandelt, ob Rumänien durch unzureichende Sicherheitsmaßnahmen, mangelhafte Kontrolle und verspätete Warnungen gegen seine völkerrechtlichen Pflichten aus der UNECE-Wasserkonvention verstoßen hatte. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen der Staatenverantwortung, grenzüberschreitender Umweltschäden sowie der Haftung für die langfristigen ökologischen und wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe.
Der dreitägige Prozess, geprägt von intensivem Meinungsaustausch, Befragungen und der Sichtung von Beweismitteln, endete mit der Urteilsverkündung und dem symbolischen Schlag des Richterhammers auf dem Balkon des Hospitalhofs. Die Verhandlungen waren anspruchsvoll und teilweise sehr lang, bereiteten den Beteiligten jedoch große Freude. Es wurde ein umfassender Einblick in die Arbeitsweise des Internationalen Gerichtshofs geboten und die Teilnehmenden wirkten aktiv am Entwurf des Urteils mit. Am Ende waren alle stolz darauf, das selbst verfasste Urteil, in das viel Arbeit investiert worden war und in dem Rumänien schließlich nahezu einstimmig verurteilt wurde, in den Händen zu halten.

In der Generalversammlung, dem größten Gremium der Konferenz mit rund 100 Mitgliedern, stand das Thema Klimaflüchtlinge im Mittelpunkt. Dabei vertrat Clara die Delegation der Niederlande. Im Fokus der Debatten standen internationale Maßnahmen zur Unterstützung von Menschen, die aufgrund der Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. Zudem wurde darüber diskutiert, wie betroffene Regionen durch Präventionsmaßnahmen und finanzielle Hilfen besser unterstützt werden können.

Wie bei den Vereinten Nationen üblich, erarbeiteten die Delegierten gemeinsam Resolutionen mit konkreten Lösungsansätzen. Diese wurden vorgestellt, diskutiert, durch Änderungsanträge ergänzt und anschließend zur Abstimmung gebracht. Am letzten Konferenztag wurde die von der niederländischen Delegation eingebrachte Resolution von der Generalversammlung angenommen.

Doch nicht nur die Debatten machen die DMUN-Konferenzen zu einer besonderen Erfahrung. Man lernt zahlreiche neue Menschen kennen und trifft Freunde wieder, die man bereits auf anderen DMUN-Konferenzen, beispielsweise in Schleswig-Holstein, kennengelernt hat. Auch der diplomatische Abend, ein Ball im Kursaal in Bad Cannstatt, rundete die Konferenztage positiv ab und wird allen Teilnehmenden sicherlich lange in Erinnerung bleiben.