von Stefan Prochnow
Die 30 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10B der Hohen Landesschule Hanau (HOLA) haben ein fächerübergreifendes Projekt zum Thema Gewässerschutz durchgeführt, das sie gedanklich von der Kinzig direkt vor der Schule bis in die Sargassosee im Atlantik geführt hat.
Ziel des Projekts „WE ARE OCEAN_Ein Fluss werden“, implementiert von der internationalen Organisation ARTPORT_making waves, ist es, durch die Auseinandersetzung mit aktueller Kunst und der Wissenschaft der Meeresbiologie Schülerinnen und Schüler für das Thema Ocean Literacy und Meeresschutz zu begeistern, sagen die beteiligten HOLA-Lehrkräfte Astrid Holle (Kunst), Stefan Prochnow (Geographie) und Swantje Stein-Hellmann (Biologie, Chemie).
Das Projekt wurde an der HOLA von der Berliner Künstlerin Bilge Emine Arslan und dem Meeresbiologen Dr. Jan Steger von der Senckenberg-Gesellschaft durchgeführt sowie von Anne-Marie Melster (ARTPORT_making waves) zusammen mit Dr. Julia Moritz kuratiert.
Hanau ist eine Stadt der Auen, der Flüsse Main und Kinzig, vieler Seen und Bäche. Diese Gewässer haben die Schüler zusammen mit der Künstlerin und dem Wissenschaftler erkundet und dabei die Wechselbeziehungen zwischen Flüssen und Ozeanen erlebt. Die Flüsse fließen in den Ozean, aber Lebewesen wie der europäische Aal verbinden die Gewässer auch in die umgekehrte Richtung. Der europäische Aal steht als Symbol für Migration, die Gesundheit der Gewässer, als Bindeglied zwischen Binnenland und Meer. Aufgrund von Klimaveränderungen, Eingriffe in Flussläufe sowie Überfischung gilt er als vom Aussterben bedrohte Art.
Die Künstlerin Bilge Emine Arslan hat sich in ihren Werken intensiv mit den Themen Ökologie, Migration, Identitäten und Landschaft auseinandergesetzt. Ihr mit den Hanauer Schülern erstelltes Bild zeigt die verschiedenen Entwicklungsstufen des Aals, seine lange Reise von der Kinzig in die Sargassosee bei den Bermuda-Inseln und zurück. Emine Arslan ermunterte die Schüler, sich in die Position eines Aals oder eines Flusses hineinzuversetzen.

Foto: Das gemeinsam gestaltete Bild (200 x 350 cm) zeigt verschiedene Entwicklungsstufen des Aals.
Damit wechselte die Natur vom Objekt zum Subjekt, die Schüler lernten völlig neue Perspektiven kennen, die sie nicht nur im Gemälde, sondern auch in Gedichten, fiktiven Zeitungsartikeln und getöpferten Skulpturen umsetzten. Was hätte die Kinzig zu erzählen, wenn sie sprechen könnte? Welche Bedeutung haben Lebewesen wie der Aal für unser Ökosystem? Das Projekt brachte unterschiedliche Sichtweisen, künstlerische, naturwissenschaftliche und geografische, zusammen, mit einem gemeinsamen Ziel: die jungen Menschen zu ermuntern, sich für den Umwelt- und Meeresschutz zu engagieren.
In einer abschließenden Diskussionsrunde stellten die Schüler ihre Projektergebnisse vor, stellten Fragen und erörterten Möglichkeiten, die Ergebnisse in Hanau auszustellen und sich weiter für den Meeresschutz zu engagieren. Teilnehmer an der Diskussion waren unter anderem Martin Hoppe (Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hanau), Steffen Reitz (Ortbeirat Hanau-Nordwest), Dr. Marion Beil (Umweltzentrum), Jana Steingässer (Okeanos-Stiftung), Daniel von Hauff (Geschäftsführer Kathinka-Platzhoff-Stiftung), Beate Heraeus und Dr. Günter Seidenschwann (Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde).
Angesichts des von den Schülern an der Kinzig gefundenen Mülls sprach sich Ortbeirat Steffen Reitz für ein konsequentes Durchgreifen der Stadt aus, rief die Schüler aber auch dazu auf, sich an den regelmäßigen Säuberungsaktionen „Sauberhaftes Hanau“ zu beteiligen und sich in politischen Gremien wie dem Ortsbeirat zu engagieren.
Die im Projekt erstellten Kunstwerke sollen künftig in Ausstellungen einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden.
