Hanau hat im „wettbewerblichen Dialog“ neue Wege bei der Stakeholder-Beteiligung im Stadtentwicklungsprozess beschritten. An der Hohen Landesschule Hanau (HOLA) konnten Schüler der Klasse 10G von Geographie-Lehrer Stefan Prochnow nun die Bebauung eines ganzen fiktiven Stadtteils namens „Schönfeld“ eigenständig planen. Möglich machte dies das Planspiel „Urban Plan“ vom Urban Land Institute Germany in Frankfurt am Main.
Vermittelt durch die Kommunikationsagentur Yaez kamen Wirtschaftsgeographin Felicitas Wende (RWTH Aachen) und Humangeograph und angehender Verkehrsplaner Nico Leidekker (Universität Frankfurt am Main) in die Klasse. Die Schüler bekamen die Aufgabe, einen Stadtteil in einer fiktiven Stadt zu planen, mit Wohnbebauung, Einkaufzentren, Büros, sozialen Einrichtungen und so weiter. Dabei galt es zahlreiche Interessensgruppen (Stakeholder) zu berücksichtigen: unterschiedliche Einkommens- und Altersschichten, die Stadtverwaltung, zudem Aspekte der Nachhaltigkeit und Klimawandels. Auch baurechtliche Vorgaben mussten die Schülergruppen beachten, mindestens 35 % sozialen Wohnungsbau vorsehen, Verkehrswege, Lärmbelastung und vieles mehr einkalkulieren. Künstlerische, geographische und immobilienwirtschaftliche Aspekte waren zu vereinen. Mit dem Handylicht wurden verschiedene Sonnenstände und Verschattungen betrachtet, Lauf- und Verkehrswege verglichen, um eine möglichst sinnvolle und konfliktarme Stadt zu planen.
Schließlich präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse einer Experten-Jury, nämlich Mitarbeitern der Pacific Investment Management Company (Pimco) Frankfurt. Luca Freyhofer (Investment Management), Felix Junghanns (Asset Manager CEE-Region), Carina Swatek und Laura Wolf (Immobilien-Ökonomin) bewerteten die Präsentationen und Modelle der Schülergruppen, fragten nach sozialem Wohnungsbau, Jugendzentren, Sonnenständen, Nachhaltigkeit, aber auch nach Mindestabstandsvorgaben oder Renditeerwartungen.
Die Gruppe „Archiv-Immobiles“ (Sander Menges, Arthur Sticha, Ben Schneider, Lena Glock, Tamino Bauer, Isabel Demuth, Elias Geyer) setzte auf die Nutzung bestehender Gebäude, verzichtete auf Hochhäuser und plante viele Grünflächen. Die Jury kritisierte lediglich, dass die vorgesehene enge Wohnblockbebauung etwas monoton wirken dürfte.
Für ihr harmonisch gestaltetes Ortsbild erhielt die Gruppe „Living Future“ (Lena Bauer, Lena Krüger, Noah Illie, Larissa Bopp, Alae El Khadir, Nisa Koc und Elisa Wiese) ein Sonderlob der Jury.
„Nova Living“ (Safiya El Raschidi, Julia Dolgener, Pia Dolgener, Anas Marjane, Max Kurzschenkel, Tim Porzelle und Levi Woldegergis) schufen grüne Wohnviertel mit hoher Lebensqualität.
Das überzeugendste Gesamtkonzept präsentierte laut Ansicht der Jury die Gruppe „Fortunae Urban Core Group“. Eine gelungene Mischung aus Hochhäusern und aufgelockerter Wohnbebauung, nachhaltiger Verkehrsplanung mit vielen Radwegen und ein selbstbewusstes Auftreten im „Pitch“ bescherten Yaron Arnold, Sophia Bickelhaupt, Patricia Damian, Paul Hünert, Julius Klose, Kenan Koc und Quentin Lotz den Sieg.
In der anschließenden Reflexion war sich die 10G einig, dass diese Herangehensweise an das Thema Stadtplanung in Form eines Plan- und Rollenspiels mit Rückmeldung durch Profis aus der Immobilienwirtschaft wiederholt werden sollte. 48 % der Klasse gab sogar an, sich nun für Berufe im Immobiliensektor zu interessieren.
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