von Stefan Prochnow

„Ich will mit euch kein Jurastudium in 90 Minuten machen, aber euch so etwas wie ‚Street Capability‘ im Alltagsrecht näherbringen“. Gleich mit seinem Einstieg hatte Prof. Dr. jur. Andreas Gran, LL. M. die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler des Wahlunterrichtskurses „Recht“ an der Hohen Landesschule Hanau (HOLA) gewonnen.

Der Rechtsanwalt und Jura-Professor an der Frankfurter „International Schoof of Management“ hat kürzlich das Buch „Rechtswissen für junge Menschen“ veröffentlicht, in dem er alltägliche Lebenssituationen juristisch beleuchtet. Sogar in der Zeitschrift BRAVO wird sein Buch empfohlen.

Doch was bewegt einen Jura-Professor, der zuvor in berühmten Großkanzleien als Wirtschaftsanwalt tätig war, eine Unterrichtsstunde in einer Schule zu halten?

„Ich habe selbst drei Söhne im Alter von 13, 18 und 21 Jahren und bin Hochschulprofessor. Privat und beruflich habe ich also oft mit jungen Menschen und ihrer Lebensrealität zu tun“, erklärt Gran. Anders als an der HOLA seien, seiner Erfahrung nach, die Grundlagen des Rechts selten Thema im Unterricht, obwohl durchaus Interesse bei den Schülerinnen und Schülern vorhanden sei. Auf die Idee mit dem Rechtsratgeber sei er gekommen, als er im Nachlass seines Vaters ein verstaubtes Lehrbuch „Bürgerliches Gesetzbuch für Jedermann“ gefunden habe. Da habe er sich gedacht: Darum geht es doch. Dass die Grundlagen des Rechts verständlich gemacht werden.

Zunächst habe er eine Befragung durchgeführt und häufige Missverständnisse identifiziert. Viele denken beispielsweise, Preisschilder seien verbindlich, wichtige Verträge müssten immer schriftlich sein oder dass es ein generelles Umtauschrecht auch bei fehlerfreier Ware gäbe.

Letztlich sieht Gran auch eine politische Konsequenz fehlender Rechtskenntnisse. Man könne leicht das Gefühl bekommen, über den Tisch gezogen zu werden von „denen da oben“, was Menschen in die Arme von Populisten oder gar Extremisten treiben könnte.

Zusammen mit HOLA-Lehrer Stefan Prochnow überlegt Gran, wie man Rechtskenntnisse mehr in die Schulen bringen kann.

Die Schüler haben jeweils schon eine Idee: Mehr Juristen in die Schule, die als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt über unser Rechtssystem aus erster Hand informieren. In Nordrhein-Westfalen ist dies üblich, in Hessen bisher nur vereinzelt. Auch über Lehrkräftefortbildungen denken Gran und Prochnow nach.

Auszug aus der Befragung von Prof. Dr. jur. Andreas Gran, LL. M.:

Kann man verlangen, dass Ware zu dem im Schaufenster und beim Preisschild ausgepreisten Betrag verkauft wird? Ja oder nein?

Richtige Antwort: Nein.

Haben Siebzehnjährige das Recht, etwas zu kaufen, wenn sie es mit dem nächsten Taschengeld bezahlen wollen? Ja oder nein?

Richtige Antwort: Nein, denn es darf nicht über künftiges Taschengeld verfügt werden (daher z. B. auch kein Ratenkauf oder Handytarife mit monatlicher Zahlung).

Ist es gegebenenfalls möglich, andere vertraglich zu verpflichten, obwohl zuvor keine Vollmacht dazu eingeräumt wurde? Ja oder nein?

Richtige Antwort: Ja.

Darf man Geld zurückverlangen, sobald man es unmittelbar nach dem Kauf reklamiert, falls das gekaufte Mobiltelefon bereits in der Verpackung defekt ist? Ja oder nein?

Richtige Antwort: Nein. So etwas wird aus Kulanz eventuell gewährt, eine Rechtspflicht dazu besteht aber nicht.