von Stefan Prochnow

Am Hanauer Traditionsgymnasium, mit fast 1850 Schülerinnen und Schülern mittlerweile das zweitgrößte Gymnasium Hessens, werden seit alters her Mathematik, Latein und Geschichte unterrichtet. Aber seit einiger Zeit wird in der Hohen Landesschule (HOLA) auch der Lernzuwachs bei alltagsnahen Verbraucherbildungsthemen stärker in den Blick genommen.

So haben nahezu alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 8E Anfang Mai ihren „Finanzführerschein“ bestanden. Dafür beantworteten sie, wie beim echten Autoführerschein, etliche Fragen auf einem Ankreuzbogen. Aber nicht zum Bremsweg oder den Verkehrszeichen, sondern zur Geschäftsfähigkeit, zu Handyverträgen, Girokonten oder Arbeitsschutzregelungen für Jugendliche.

Am 20. Mai kam dann Manuel Froitzheim von der „Digitalen Wirtschaftsbildung in Siegen“ (DiWiS) mit seinem Team in die HOLA und führte mit der Klasse einen sechsstündigen Projekttag unter dem Titel „Schülerakademie Finanzkompetenz“ durch. Neun Stationen waren in der großen Mediothek der Schule aufgebaut, und die Schülerinnen und Schüler bewegten sich in Dreierteams durch die neun Lernstationen.

In der Station „Risky or safety life?“ lernten die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung von Versicherungen kennen – und konnten am Ende wichtigere und weniger wichtige Versicherungen unterscheiden.

Beim Brettspiel „Moneyfunlance“ mussten die Schülerinnen und Schüler auf Ereigniskarten reagieren. Mit Wissensfragen konnten sie Geld oder Spaßpunkte sammeln. Gewinner war nicht, wer am Ende am meisten Geld gehortet hat, sondern wer Vermögen und Lebensfreude ins Gleichgewicht brachte.

Im Glücksrad-Experiment trafen die Achtklässler riskante Entscheidungen und analysierten dessen Auswirkungen. Auffällig: Menschen scheuen das Risiko, auch nur kleine Verluste zu erleiden, selbst wenn damit die Chance auf einen großen Gewinn einhergeht. „Wirtschaftliche Entscheidungen von Menschen sind nicht immer rational“, weiß Froitzheim. Solche Erkenntnisse der Verhaltensökonomie und Wirtschaftspsychologie bereits Jugendlichen spielerisch zu vermitteln ist eine besondere Leistung der Schülerakademie Finanzkompetenz.

An der Station „Geschäftsfähigkeit“ konnten die Schülerinnen und Schüler das Wissen reaktivieren, was sie von ihrem Lehrer Stefan Prochnow im ersten Schulhalbjahr zum Thema Recht gelernt hatten. Jede Gruppe erstellte ein kurzes Video, in dem sie an einem Fallbeispiel darstellten, welche Rechten und Pflichten Käufer und Verkäufer bei einem Kaufvertrag haben und welche Rolle das Alter dabei spielt.

Beim „Tawibu“ spielten die Achtklässler das bekannte Spiel „Tabu“, aber mit ökonomischen Fachbegriffen.

Besonders gut kam bei den Schülern Dominic Grimm und Tim Hortig die Börsensafari an, musste man doch den Einfluss von Nachrichten auf die Börsenkurse erfassen.

Bei den Beteiligten fand die Schülerakademie ein positives Echo. „Mir haben alle Stationen gut gefallen, besonders das Brettspiel Moneyfunlance. Denn wir haben als Team gespielt und es ging nicht nur um Geld, sondern auch um Spaß- und Wissenspunkte“, sagt Sirin Büyükkoc.

Für die Lehrkräfte war die Schülerakademie gleichzeitig eine Fortbildung über den Einsatz digitaler Instrumente und spielerischer Elemente im Unterricht.